Würzburger Schilddrüsenzentrum

Datum: Mrz 15, 12
Autor: admin
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Die Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des Universitätsklinikums Würzburg bietet innerhalb des Schilddrüsenzentrums die prä- und postoperative Diagnostik (I), konservative Therapieoptionen (II) und phonochirurgische Eingriffe zur Erhaltung, Verbesserung oder Wiederherstellung der menschlichen Stimme (III) an. Darüber hinaus können wir insbesondere bei u. U. akut eingeschränkten Atemwegen und bösartigen Schilddrüsentumoren mit Befall von Kehlkopf und Luftröhre unsere chirurgische Expertise einbringen (IV).

(I) Alle Patienten sollen vor und nach einem operativen Eingriff an der Schilddrüse einer laryngologischen Diagnostik zugeführt werden. Hierbei wird die Stimmlippenbeweglichkeit und -spannung, die endolaryngeale Sensitivität zusammen mit Heiserkeitsparametern sowie die Schluckfunktion untersucht. In der Regel genügt hierzu eine kurze endoskopische Untersuchung des Kehlkopfes beim wachen Patienten. In Zweifelsfällen kann die Diagnostik durch eine elektromyographische Untersuchung der inneren Kehlkopfmuskeln ergänzt werden. Insbesondere wird dies durchgeführt, um prognostische Aussagen bei eingetretenen Kehlkopflähmungen treffen zu können. Aus dieser Diagnostik heraus ergeben sich im interdisziplinären Konsilium eine Therapieempfehlung und ggf. bereits deren Einleitung.

(II) Konservative Therapieoptionen bei Stimmlippenlähmungen werden phoniatrisch initiiert: Sie umfassen ein individuell adaptiertes Atem-, Stimm- und Schlucktraining und weitere unterstützende Maßnahmen. Die Durchführung wird beispielsweise durch Logopäden begleitet und kann unter Umständen in unseren Haus begonnen werden. Die Erfolgskontrolle wird erneut phoniatrisch auch unter Rückmeldung durch die behandelnden Logopäden durchgeführt.
Auch bei Schluckproblemen, die vereinzelt im Zusammenhang mit Schilddrüsenerkrankungen und -operationen auftreten können, ist die phoniatrische Therapieeinleitung möglich und sinnvoll.

(III) Die Phonochirurgie als Teilbereich der Laryngologie hat mit vielfältigen Möglichkeiten in den letzten Jahren große Bedeutung in der Rehabilitation organischer Stimmstörungen erlangt: Operative Verfahren beinhalten endoskopische Injektionen, endolaryngeale mikroskopische Techniken und extralaryngeale Zugangswege: Stimmverbessernde Operationen werden beispielsweise bei Defiziten des Stimmlippenschlusses durch eine eingeschränkte oder aufgehobene Funktion der den Kehlkopf versorgenden Nerven durchgeführt. Diese Lähmungen können zu einer Weitstellung der betroffenen Stimmlippe führen, den erforderlichen Stimmlippenschluss bei der Stimmbildung verhindern und so eine tonlose Stimme hervorrufen. Neben den  Operationsmethoden von innen sind hier die Stimmlippenverlagerung von außen zu nennen. Sie werden mit körpereigenen oder -fremden Materialien durchgeführt. Weitere wichtige Indikationen ergeben sich bei Stimmlippenpolypen, -ödemen, -zysten und -narben sowie nach Kehlkopfverletzungen und Kehlkopfteilresektionen wegen Tumoren. Besondere Herausforderungen können Substanzdefekte der Stimmlippen durch Teilresektionen des Kehlkopfes wegen Tumorerkrankungen sein. In diesen Fällen werden individualisierte Aufbauplastiken mit Positionskorrekturen der Stimmlippen kombiniert.
Phonochirurgische Eingriffe bieten bei sorgfältiger Indikationsstellung und begleitender logopädiasche Stimmtherapie eine hervorragende Chance zur Linderung von morphologischen und funktionellen Beeinträchtigungen des Kehlkopfes. Zielpunkte der Phonochirurgie sind an erster Stelle persönliche Zufriedenheit des Patienten und die Verbesserung des  Stimmklangs und -belastbarkeit durch eine Verminderung der Heiserkeit oder die Angleichung an die gewünschte Tonhöhe. Weitere Parameter, wie Tonhaltedauer, Stimmumfang, Lautstärke und somit Stimmdynamik werden ebenfalls positiv beeinflusst. Eine patientenbezogene Information über die Möglichkeiten der Phonochirurgie, die Auswahl der geeigneten Operationstechnik und entsprechende Erfahrung des Operateurs sowie die Zusammenarbeit mit dem Phoniater kontrollieren den Erfolg der Therapie.

(IV)  Als seltene Komplikation insbesondere bei bösartigen Schilddrüsentumoren können beidseitige Stimmlippenlähmungen eintreten. Hier gilt es, den Betroffenen einen sicheren Atemweg zu ermöglichen. Hierzu gibt es individualisierte Möglichkeiten der vorübergehenden oder dauerhaften Seitwärtsverlagerung der Stimmlippen bis hin zu einer Eröffnung der Luftröhre. Für diese oft akut auftretenden Probleme ist die Infrastruktur der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, plastische und ästhetische Operationen des Universitätsklinikums Würzburg auch durch die dem Operationssaal angegliederte Intensivüberwachungsstation bestens ausgelegt. Die notwendigen Maßnahmen werden von einer intensiven Rehabilitation begleitet.
In seltenen Fällen kann es bei bösartigen Schilddrüsentumoren zu einer Beteiligung von Kehlkopf, Luft- und/oder Speiseröhre kommen. In diesen Fällen bietet unsere Klinik eine individualisierte Beratung im interdisziplinärem Konsilium des Schilddrüsenzentrums sowie des Tumorboards und ggf. eine operative Therapie an. Diese bietet für viele Erkrankte einen Erhalt der genannten wichtigen Strukturen an.

 

Ansprechpartner für die phoniatrische Abteilung und unsere Klinik sind Frau Prof. Dr. med. W. Shehata-Dieler, Herr Univ.-Prof. Dr. med. N. Kleinsasser sowie der Assistenzarzt der Phoniatrie. Telephonisch kann Kontakt auch zu Terminvereinbarungen über die Telefonnummer 0931-201-21372 aufgenommen werden. In dringenden Notfällen kann der Dienstarzt der Klinik unter 0931-201-21222 erreicht werden. Die Sprechstunden finden in der Regel im Haus B2, 1. Stock, Josef-Schneider-Straße 11, 97080 Würzburg, statt.

N. Kleinsasser

Kontakt

Schilddrüsenzentrum Würzburg Oberdürrbacherstraße 6

97080 Würzburg

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